Das Literarische Quartett wartete im Wonnemonat Mai mit einer echten Premiere auf: Beim Durchzählen auf der legendären Route 66 entdeckten die Helden des gepflegten Wortes beim Durchzählen, dass sie nur ein Trio bildeten. Gevatter Thomas Krebs hatte sich krank gemeldet, gleich zwei Organe bereiteten ihm Maläse – der Magen und sein, um Längen länger, Nachbar - und Hüter erlesener Darmwinde.

Um solche Beschwerden zu vermeiden, reisten die übrigen Mitglieder des Literarischen Quartetts Ralph Gemmel, Antonius Nolden und Mario Quadt auf Geheiß des turnusgemäßen Vorsitzenden Mario Quadt nach Beuel, um sich im Restaurant „Sultan“, an den Köstlichkeiten Kleinasiens zu erfreuen. Also ob dies nicht schon Schmaus genug gewesen sei, eilten die Drei nach der Tafelei auch noch zur nahe gelegenen Sammelstelle für italienische Eisspezialitäten mit Namen „Etna“ – obgleich es mittlerweile in Strömen regnete.

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In der dritten Station des Abends, dem aus reichlich Nostalgie angesteuerten „Furios“, eröffnete der ehrenwerte Antonius Nolden sein Referat über das von ihm vorgestellte Buch des Abends: Erich Maria Remarques „Zeit zu lieben, Zeit zu sterben“. Beeindruckend lenkte Antonius die Aufmerksamkeit auf ein Buch des Meisters, der vor allem durch seinen Anti-Kriegsroman „Im Westen nichts Neues“ berühmt geworden ist. „Neben Ernst Jüngers ,In Stahlgewittern’ ist ,Im Westen nichts Neues“ der Anti-Kriegsfilm schlechthin“, schilderte Nolden, der sich als Filmexperte mit eigenem Radio-Jingle („Hören, wo der Kinosessel sprechen kann“) einen Namen machte. Ebenso wie das grandios verfilmte Buch thematisiert „Zeit zu lieben, Zeit zu sterben“ die Gefühlswelt der „verlorenen Generation“, jener jungen Menschen, die durch den Ersten Weltkrieg all ihrer Träume, Illusionen, Angehörigen und ihrer Existenz beraubt wurden. Der von Antonius vorgestellte Roman spielt während des Zweiten Weltkrieg. Obgleich das Buch eigentlich eine Liebesgeschichte ist, verheimlicht er nicht, dass das Nazi-Regime zum Scheitern verurteilt sein muss. Der junge Soldat Ernst wird in zerstörerische Schlachten nach Afrika und Russland geschickt. Beim Heimaturlaub sucht er seine Eltern und findet das Herz der jungen Elisabeth. „Was beide verbindet, ist die Resignation vor der neuen Zeit“, erklärte Antonius seinen Zuhörern. „Das System ist gegen sie.“ Die NSDAP wird als Partei dargestellt, die Außenseitern eine Chance bietet, in der Gesellschaft aufzusteigen. Ernst signalisiert seinem Kameraden Alfons, dass das Führer-Regime unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist: „Alfons steht für viele, die sich von der NS-Zeit persönliche Vorteile erhofften“, sagte Nolden. Auf fesselnde Art schwankt das Buch zwischen traumatisierenden Kriegserlebnissen und Traumsequenzen. Der Clou des Buches: Die Geschichte der Handlung wird durch die Charaktere erzählt. Antonius: „Das Buch ist keine schnöde Geschichte mit Einleitung, Mittelteil und Schluss.“ Verfilmt wurde es auch – mit Maximilian Schell in der Hauptrolle.

Derart mit Remarques Epos gestärkt, verziehen die Hangelarer Helden der Literatur auch den Auftritt von zehn, vermutlich durch das bevorstehende Reifezeugnis oder vergleichbare Abschlüsse in unangebrachte Euphorie geratene, Bettnässern, welche von der barbäuchigen Bedienung im Furios zu Recht nach dem Nachweis ihrer Volljährigkeit befragt wurden. Außerdem sei nicht vergessen, dass sich jene Gruppe vor allem durch merkwürdige Grunz- und Aufstosslaute hervortat. Der Geisteszustand der ungehörigen Gäste lässt sich mit der Bestellung von Bananenweizen und Cola sowie der uralten Marotte, nach einem „Bäuerchen“ die gespreizte Hand zur Stirn zu führen, beschreiben. Die Beobachtung, der an Halbaffen erinnernden, Gesten, eröffnete eine hitzige Debatte über Elterngeld und Wickelvolontariat.

So wechselten das Trio zu einem Abschlussgetränk in die „Rheinbrücke“, wobei erneut eine Debatte entflammte, dieses Mal über den Sinn und Unsinn von Mai-Versteigerungen.

Anzumerken ist noch, dass Erich Maria Remarque mal mit Marlene Dietrich leiert war und sich das Literarische Quartett Hangelar am Samstag, 22. Juli, zur nächsten Sitzung trifft. Der Tagungsort wird, nach dem Erfolg des vergangenen Jahres, die Bonner Bierbörse in der Rheinaue sein.

Es grüßt, für das Protokoll
Mario Quadt


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