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Der beste Gruppenleiter der Welt
Eine Komödie in drei Akten (plus Vorspiel und Zigarette danach) von Antonius Nolden
Die Personen:
Udo Ludwig - Der Mann, der der Gastreferent war
Ralph „Ede“ Gemmel - Der Mann, der einen ans Protokoll schreiben erinnert
Antonius „Toni“ Nolden - Der Mann, der das Protokoll schreiben vergisst
Mario Quadt - Der Mann, der zu spät kommt
Thomas „Krebsi“ Krebs - Der Mann, der zum Zahnarzt müsste
Regina - Angestellte im „Bistro“
Ein Kontrolleur - Das erklärt sich von selbst
Kellnerin – Angestellte im Bonner „Stiefel“
Vorspiel: Bistro
Ede: Was machst du denn schon hier?
Toni: Ach Scheiße! Meine Schwiegermutter ist gerade da und ich wusste jetzt nicht wohin, bevor wir mit dem Quartett loslegen. Außerdem ist doch heute Feiertag und ich dachte, da fällt es nicht weiter auf, wenn ich ein bischen früher komme. Aber: Was machst Du denn schon hier?
Ede: Na ja ... ist bei mir ähnlich. Die Familie ... Im Bistro ist doch auch gemütlich, oder?
(Beide versinken in Schweigen, denken darüber nach, dass sie ihre hochheiligen Familien eigentlich schamlos belogen haben. Dann besinnen sich zum Glück aber eines Besseren und bestellen ein Bier)
Erster Akt: Zusammenkunft
Udo: Also Folgendes: Da ich mit dem Lesen nicht mehr so zurecht komme, habe ich das Hörbuch „Hape Kerkeling – Ein Mann, ein Fjord“ mitgebracht. Das hören wir uns nachher an.
Krebsi: Das Ganze ... ?!!??? ... Das dauert aber lange ...
(Krebsi überlegt, wie viele Biere er währenddessen trinken kann, oder ob es sich lohnt drei bis 14 Zigaretten rauchen zu gehen)
Udo: Nein, nur ein paar Auszüge. Dauert maximal 20 Minuten.
Toni: Das ist cool, habe ich mal auf einer Autofahrt nach Oberstdorf gehört. Mein Schwiegervater hatte uns eingeladen. Das heißt, als er uns eingeladen hatte, waren ich noch gar nicht ...
(keiner hört mehr zu)
Ede (macht Hape Kerkeling als Horst Schlämmer nach): Ne Schätzelein, weissse Bescheid ... (Zieht die Nase ausgesprochen ekelhaft hoch)
Regina: Habt Ihr sie noch alle? Es gibt hier Gäste!
Krebsi (versucht die Situation zu retten): Wo bleibt eigentlich der Mario?
Ede: Ich hab ihm Bescheid gesagt.
Toni: Der kommt doch immer zu spät.
Krebsi: Dann ruf doch mal an.
Ede (ruft Mario übers Handy an): Meldet sich keiner, der ist bestimmt schon auf dem Weg hierher. (Anm.: Marios Antwort-SMS besagte, dass er zunächst die Franz-Josef Strauß-Doku noch zuende sehen wolle)
Udo: Wo fahren wir eigentlich hin?
Ede: In den Stiefel nach Bonn. Die haben gerade umgebaut.
Udo: Hab ich mir im Internet angesehen, ist ganz schön nobel geworden. Vorher wars eher rustikal.
Toni: Ich wusste gar nicht, dass die umgebaut haben. Ich dachte immer ... (keiner nimmt Notiz)
Krebsi: Ich glaube, da kommt der Mario
(Die Tür geht auf. Mario kommt mit einem schelmischen Grinsen herein und fährt sich, als er bei den anderen angekommen ist, fast unauffällig durch die Haare)
Mario: Bin ich zu spät?
Alle: JAAAAAAAAAAA!!!!!!! |
Zweiter Akt: Die Fahrausweise, bitte!
Udo: Also, einen kann ich mitnehmen mit meinem Ausweis.
Toni: Da ich doch bestimmt dein Lieblings-Gruppenkind war ... darf ich?
(Krebsi, Mario und Ede schauen sich an und verziehen ihre ohnehin schon finstere Miene)
Alle drei leise: Na toll!
(In der Bahn)
Toni: Also von Bockeroth, wo ich ja jetzt wohne, da fährt ja keine Bahn und auch nur ein Bus. Ich sag Euch: Ich muss immer ...
(Keiner hört zu)
Ede: Zum Glück sind wir ja noch nie kontrolliert worden, wenn wir mit der Bahn unterwegs waren.
Mario: Kann ja noch kommen. Aber heute ist doch heiliger Feiertag.
Krebsi: Mann, Mann, Mann. Vielleicht hätte ich mir das Geld für das Ticket doch sparen sollen.
Ein Kontrolleur: Guten Abend, die Herren! Die Fahrausweise bitte! (Alle wischen sich den Schweiß von der Stirn und zeigen ihre Tickets)
Toni: Ich darf mit dem da fahren, (zeigt auf Udo) und zwar hat der mich ...
(Der Kontrolleur ist schon weiter gegangen) |
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Dritter Akt: Wanderer sind doch nicht so lustig
(Unsere tapferen Helden sind in Bonn angekommen und gleich in den modern umgebauten „Stiefel“ an der Bonngasse gestiefelt. Glücklicherweise haben sie ganz hinten im Lokal den noch einzigen freien Tisch gefunden. An den anderen Tischen sitzen viele Bonnerinnen und Bonner bei Kölsch und weiteren rheinischen Leckereien. Zwei Tische weiter haben rund 15 Chinesen, Japaner, Taiwanesen oder Koreaner den Kampf mit rheinischen Muscheln und bayerischem Oktoberfestbier aufgenommen. Um die Überlegenheit der asiatischen Kultur in der Fremde zu dokumentieren, steht immer wieder einer der Chinesen, Japaner, Taiwanesen oder Koreaner auf, um drei bis 17 Fotos mit dem Handy oder der Digitalkamera zu machen. Vermutlich sind sie von ihren Regierungen mit den Elektrogeräten ausgestattet worden. Am Nebentisch unserer Fünferbande hat sich eine Gruppe von Wanderern nieder gelassen, denn ein Tisch in der Ecke ist voll gepackt mit Rücksäcken und Wanderstöcken. Die Ökos sehen auch so aus: Jutepullover, gebatikte Regenbogen-T-Shirts und der Duft von Kamillentee hängt in der Kneipenluft. (Anm.: Am Kopf des Tisches und somit unsererseits als Führer der Gruppe entlarvt saß Arnd Schmitt, ehemaliger Fechter und zweifacher Olympiasieger)
Krebsi: Ich hab Durst
Ede: Ich hab Hunger
Mario: Das müsste mal im Gastro-Bereich meiner Zeitung erwähnt werden. Kommt die Kellnerin eigentlich noch?
Toni: Ist doch schön hier ....
(Alle schauen sich fragend an)
Udo: Soll ich vielleicht mit der Lesung schon beginnen oder damit bis nach dem Essen warten?
Ede: Lieber bis nach dem Essen.
Krebsi: Wenn wir das heute noch erleben. (Die Kellnerin kommt)
Kellnerin: Okay, ich habe da eine große Wandergruppe, und die wollen alle was anderes, aber keiner ein Bier. Ist doch ´ne Kneipe hier, oder? Was kann ich Euch denn bringen?
Alle: ALKOHOL !!!
(Die Kellnerin nimmt die Bestellung auf. Dann dauert es wieder sehr lange, bis die Getränke kommen. Unsere vier lustigen Fünf bestellen gleich zwei Runden auf einmal. Dann kommt das Essen. Danach gehen Krebsi und Ede vor die Tür, um zu rauchen. Anschließend warten alle gespannt auf die Lesung vom Udo)
Udo: Also, wie gesagt: Diesmal keine Lesung, sondern was zum Hören. Hape Kerkeling: Ein Mann, ein Fjord. Ditte schön!
(Udo schaltet seinen mitgebrachten nachgemachten i-Pod an und Hapes Stimme erhebt sich aus kleinen, aber ausgezeichneten Lautsprechern. Der Übersicht halber, sei die Handlung hier erzählt: www.amazon.de.
Die Mitglieder der Wandergruppe fühlen sich beim Austausch von nicht-genmanipulierten Bio-Getreideanbau-Ratgebern, Tipps zur Herstellung von Anti-Fußpilzcremes ohne die Folter von kleinen süßen Katzenbabys in Anspruch zu nehmen, sowie Dritte-Welt-Rezepten für Tofu-Spezialitäten auf Sojabohnenbasis gestört und schauen zum Tisch unserer Gefährten hinüber. Außenstehende können einen menschenverachtenden Ekel in den Gesichtern der vermutlich vom Marsch durch das Siebengebirge geschundenen Leiber entdecken. Ganz deutlich zeichent sich auf den Lippen der jetzt so vom Schicksal gebeutelten ab: Was zur Hölle machen diese spießigen Reaktionäre da?)
Udo: So, ich habe da noch ein kleines Präsent für Euch ... (gibt jedem Mitglied des Literarischen Quartetts eine digitale Ausgabe des soeben Gehörten)
Kellnerin: Ey Mann, das Ding ist ja voll die Wucht. Super Klang ... Wo gibt’s denn so was? (Udo und die Kellnerin beginnen ein Fachgespräch über i-Pods, mobile Tonträger, deren Preis/Leistungs-Verhältnis, Aufnahmekapazität, Ein- und Ausgänge, technisch-logische Abweichungen von den Enddaten der Verbrauchermagazine und Anschaffungskosten für ganze Familien)
Toni: tut mir leid, aber ich muss jetzt nach Hause fahren.
(Plötzlich hören alle zu)
Alle (auch die Kellnerin): Wieso?
Toni: Ich muss morgen arbeiten, ging nicht anders, und Ihr wisst ja: Bis Bockeroth ist es noch ein Stückchen!
Die Zigarette danach: Draußen Rauchen ist scheiße
Krebsi: Warum musste der dicke Tünn denn jetzt eigentlich nach Hause? Der hat doch bestimmt Stress mit der Alten, weil die mit dem Panz allein ist ...
Ede: Ne, ne, Bärbel hat mich ja auch heute gelassen. Die Mädels haben endlich kapiert, dass das Quartett eine wichtige Sache für uns ist. Schließlich haben wir nächstes Jahr Zehnjähriges!
Krebsi: Wann und wo treffen wir uns denn noch vor Jahreswechsel?
Ede: Datum wird noch bekannt gegeben, aber der Tünn darf vorschlagen, wo es hingeht. Außerdem muss er das nächste Mal lesen.
Krebsi: Der schreibt doch noch nicht mal Protokoll!
Ede: Da sorge ich schon für ... |
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