Schottland und seine Geschichte
Schottland und seine Geschichte

Der Weg zur Unabhängigkeit: 1290 - 1298

1290 - 1292
Erstes Interregnum, an dessen Ende am 17. November 1292 John Balliol unter Zustimmen des englischen Königs Edward I. ("Longshanks" oder "Hammer of the Scots") die schottische Krone erhält.

1291
In einem Gefecht mit englischen Besatzungstruppen wird Wallace Vater getötet.

Etwa zur selben Zeit gerät William mit den Engländern wegen Wilderei aneinander. Bei dem Zwischenfall tötet William zwei englische Soldaten und wird anschließend inhaftiert, wird jedoch von Sympathisanten befreit und schlägt sich als Vogelfreier durch.

1295
Im Krieg gegen Frankreich fordert Edward I. seine Rechte als Lehnsherr ein und ordnet die Aushebung von Truppen und Rittern an. Schottland widersetzt sich dieser Anordnung nicht nur, sondern erneuert das Bündnis mit Frankreich in der bis in das 17. Jh. fortbestehenden Auld Alliance und überschreitet die Grenze zu England.

1296
Edward I. überschreitet auf seiner Strafexpedition während des zweiten Interregnum (bis 1306) die Grenzen, macht am 30. März 1296 rund 20.000 Schotten in Berwick nieder und schlägt die Schotten am 27. April 1296 in den Lammermuir Hills.

Am 28. August 1296 legen 2.000 Adlige, Clanchiefs, Kleriker und Landbesitzer in Berwick den Treue- und Lehnseid auf Edward ab. Als zusätzliche Diskriminierung und Symbol seiner Macht nimmt er den "Stone of Destiny", Schottlands Krönungsstein, mit nach London. In Schottland beginnt sich jedoch der Widerstand zu organisieren. Sowohl Wallace (im Süden) und Robert the Bruce (im Westen) als auch Andrew de Moray (im Osten und Nordosten) nehmen den Kampf auf.
 
Clava
Auf diesem Hügel (Moot oder Boot Hill) wurden bis 1651 die schottischen Könige gekrönt. Er soll durch die von den Adligen und Clanchiefs zu jeder Krönung aus ihrer jeweiligen Heimatregion in einem Stiefel mitgebrachte Erde aufgeschüttet worden sein. Eine Nachbildung des Stone of Destiny. Das Original ist seit 1996 wieder in Schottland und wird auf Edinburgh Castle bewahrt. (Fotos: R. Gemmel)
 
1297
William Wallace tötet im Mai den Sheriff von Lanark, William Heselrig. Anschließend hört man von ihm, als der Statthalter Edwards in Perth, William Ormsby, vor ihm flieht. Damit hat er die Kontrolle über weite Teile Zentral- und Südschottlands erlangt.

Während Wallace von den Wäldern um Selkirk in den Borders aus Vorstößte nach Norden unternimmt (z.B. nach Scone und Dundee), erhebt sich Andrew de Moray, Sohn von Sir Andrew de Moray, im Nordosten Schottlands. Er nimmt Inverness, Elgin und Urquart Castle ein. Im August nimmt Wallace Dunnottar Castle und trifft kurze Zeit später auf das Heer de Morays und sie beschließen, die Heere zu vereinigen. Nachdem sie die Belagerung Dundees organisiert haben, wenden sie sich wieder dem Süden zu und ziehen Richtung Stirling. Am 11. September 1297 lauern die Schotten der englischen Streitmacht bei Stirling auf ("Battle of Stirling Bridge").

Es wird behauptet, dass die englische Armee über 1.000 Berittene und 50.000 Fußsoldaten verfügt haben soll und somit rund dreimal so stark besetzt war wie das schottische Bauernheer. Geführt wurde das englische Heer von John de Warenne, Earl of Surrey, seines Zeichens englischer Gouverneur in Schottland und Edwards Schatzmeister Hugh Cressingham.

Die Schlacht, von den Schotten in Guirillamanier geführt, wurde zum Desaster für die Engländer, rund 10.000 sollen den Tod gefunden haben. Man sagt, dass der verhaßte Cressingham nach seinem Tod gehäutet worden und die Hautfetzen als Souvenir verkauft worden seien.

Andrew de Moray wurde in der Schlacht jedoch so schwer verletzt, dass er wenige Wochen danach starb. Die Schotten marschierten nun weiter nach Süden, nahmen Berwick ein, überschritten die Grenze nach England und plünderten Newcastle.

Wallace wurde zum Ritter geschlagen und wurde zum "Hüter des Reiches" ("Guardian of Scotland") und "Kommandant der Armee des Königreichs Schottland" ("'Commander of the Army of the Kingdom of Scotland") ernannt. Er bemühte sich Schottlands Unabhängigkeit durch Past und europäische Mächte anerkennen zu lassen. So schrieb er z.B. an die reichen Handelsstädte Lübeck und Hamburg, dass Schottland nun wieder ein freies Land sei und der Handel wieder aufleben könne.
 
Clava
Links: Die Old Bridge of Stirling. Diese Steinbrücke ersetzte im 15. oder 16. Jahrhundert die ehemalige Holzbrücke
Rechts: Dunnottar Castle (Fotos: R. Gemmel)